On the Boat to Mandalay

David
Geschrieben von David

Auf dem Boot treffen wir eine deutsche Reisegruppe wieder, der wir zwei Tage zuvor bereits bei der zweiten Sonnenuntergangspagode begegnet sind. Es ist eine Mischung von noch recht jungen Reisenden, denen man allerdings den Spaß am Reisen nicht wirklich ansieht. Sie fläzen sich über mehrere Stühle hinweg und scheinen nicht sonderlich interessiert, dass vielleicht noch mehr Leute auf dem Boot einen Schattenplatz benötigen könnten. So bleibt Eric, ein Alleinreisender Amerikaner unsere einzige Flussbekanntschaft. Er arbeitete bereits in Thailand und war auch schon in Myanmar. Von ihm erfahren wir viel und er ist auch sehr interessiert am Reisen mit Kindern. Die übrigen Mitreisenden scheinen uns fast gar nicht wahrzunehmen und dösen lieber mit hochgezogenen Kapuzenpullovern in der lausig kalten Airco oder sonnen sich auf dem Oberdeck. Überhaupt kann man in Myanmar viel über das Reisen und das Travallerdasein ins Grübeln kommen. Es ist für Reisende selbst sicher schwer zu beurteilen, doch gerade in einem Land in dem der Tourismus noch nicht so etabliert ist, fallen bestimmte Ungereimtheiten besonders auf.

  
Jedenfalls gehört Myanmar zu den Ländern, in denen bestimmte Reisewege touristisch gut ausgebaut erscheinen und wenn man sich nur einige Schritte davon entfernt, betritt man gänzlich unberührtes Terrain, wo wir natürlich gerade mit unseren Kindern sehr aufgefallen sind. Wir wurden immer offen und mit einem Lächeln begrüßt, ganz selten angebettelt und nie doof angemacht. Es erschien uns, dass wir stets willkommen waren und man hat sich immer viel Zeit genommen, um uns Sachen zu erklären oder war einfach nur neugierig. 

Nun wieder zu unserer Road to Mandalay, die uns seit mehreren Tagen beschäftigt hat. Sille und Jens hatten das Buch von Martin Schacht „Gebrauchsanweisung Myanmar“ gelesen und für sich entschieden, dass sie da nicht hin wollten. Wir waren hin und hergerissen, lasen in Blogs und Foren, Reiseführern und natürlich auch in dem Buch von Schacht, das uns Ulf dagelassen hatte. Zunächst entschieden wir uns auch dagegen, doch dann hieß es, dass der Zug von Bagan nach Yangon nicht über Bago fahre und so kam alles wieder in Bewegung. Schließlich machte ich den Vorschlag, die Strecke nach Mandalay mit dem Boot zu bewältigen und dann am kommenden Tag weiterzufahren. Da uns Bootsfahren seit unserer schönen Mekongfahrt in Laos noch so positiv im Gedächtnis geblieben war und weder die bisherige Bus- noch das Zugfahren in Myanmar recht überzeugend waren, schien uns die Idee passend. 

   
   
Schließlich fanden wir auch eine bezahlbare Unterkunft und konnten Anja überzeugen, noch einen zweiten Tag zu verweilen, da der Zug am kommenden Tag bereits um 15 Uhr hätte fahren sollen. Jedenfalls näherten wir uns nun langsam dieser recht jungen und erst nach dem zweiten Weltkrieg fast vollkommen zerstörten Stadt. Unser erster Eindruck bestätigt sich die kommenden Tage und Mandalay selbst ist tatsächlich laut, nicht sehr sauber und mit viel Verkehr gesegnet. 

Auf dem Weg zum Bahnhof laufen wir an sehr ärmlichen Hütten vorbei. Viele Wohnen hier quasi im Freien, nur mit einer Plane über dem Kopf, neben viel Müll und Unrat und hinter ihnen ein milchig trüber Abwasserkanal. Der Anblick hat uns alle ziemlich geschockt, andererseits gehört das wohl genauso zum Bild Myanmars, wie all das Gold der Pagoden! 

   
    
 

Es hat eine große Anzahl an Handwerksbetrieben und unsere Kinder sind ganz fasziniert von der mühseligen und kräfteraubenden Tätigkeit des Goldschlagens. In einem langen Arbeitsprozess schauen wir zu, wie aus den bereits dünnen Goldblättern noch viel feinere und hauchzartes Blattgold getrieben wird. Wieviele 100 000 Schichten mögen dann auf den Gliedmaßen der hochverehrten Buddhaskulptur in der Mahamuni Pagode aufeinander liegen? Es sollen bereist über 60 Kilogramm sein, die die einst schlanke Buddhafigur so unförmig erscheinen lässt. Wir besuchen diesen heiligen Ort und schauen uns auch unsere erste Ausstellung in Myanmar an: in einer großen Halle hängt die Geschichte der so verehrten und reichlich mit Diamanten, Smaragden und Rubinen geschmückten Skulptur.

   
    
    
   
So erahnen wir an vielen Stellen die einstige Pracht der Stadt und wenn man nur wenige Kilometer aus der Stadt herausfährt, erlebt man auch wesentlich ruhigere und pittoreske Überbleibsel historischer Stätten. So fahren wir am ersten Tag zur bekannten U Bein Brücke nach Anapura, eine der zahlreichen ehemaligen Hauptstädte des Landes und verbringen einen entspannten Tag auf und um die Brücke: wir reden lange mit einem Mönch, dessen Nichte in Stuttgart lebt, trinken Kokosnüsse und die Kinder albern mit den frechen Mädchen in dem Lokal herum. Sabine kauft in dieser Weberhochburg zwei schöne Longhis, wir essen myanmarische Gemüsepfannkuchen und spazieren durch eines der riesigen Klöster.

   
    
    
   
Am zweiten Tag schauen wir uns weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt an. Wir fahren wie bereits am Vortag auf der Ladefläche eines Minilasters und sind diesmal gleich am frühen Morgen in der ersten Tempelanlage. Es ist noch ganz leer und eine wunderschön entspannte Stimmung liegt über der Anlage. Im Herzen der Anlage thront ein riesiger Marmorbuddha, der aus einem einzigen 80.000 Tonnen schwerem Block herausgeschlagen wurde. Unweit davon befinden sich zwei Pagoden, die 800 Steintafeln mit der gesamten buddhistischen Literatur beherbergen. Ein Lesevorrat von mehreren Jahren, wenn man es überhaupt lesen kann!

   
    
 Ein einziges Holzbauwerk hat die Brände und Zerstörungen überlebt. Einst stand es in der gigantischen Palastanlage der Stadt, wurde dann aber erst nach Anapura und schließlich außerhalb der Tempelanlagen wieder aufgebaut, so dass es jetzt als letztes Zeugnis dieser untergegangenen Holzbauweise an den Ruhm und ornamentalen Reichtum Mandalays erinnert.

Am Ende unseres Ausflugs steigen wir entgegen allen Tipps und Hinweisen in der Mittagszeit auf den Mandalay Hill. Es ist absolut leer, kaum jemand nimmt Notiz von uns und so genießen wir den terrassenförmig angelegten und stets überdachten Aufstieg. Doch es zieht sich und immer als wir denken, dass wir oben angelangt sind, entdecken wir doch noch eine Treppe, die weiter hinaufführt. So dauert es dann doch eine gute Stunde, bis wir auf der vermeintlich letzten Stufe angekommen sind. Auf alle Fälle hat Liam keine Lust mehr, uns tun die Füße weh, denn auch hier darf man nur barfuß hinauf und ich gehe mit Nelio alleine die letzten hundert Meter. Sabine und Liam lassen sich erschöpft an einem Essenstand nieder und wir nehmen gleich oben auf dem Berg unser Mittagessen ein.

   
    
 Nach dem Abstieg fahren wir mit unserem Taxilaster zum Hotel, lesen Anja und Maribel auf und lassen uns zum Zug fahren. Wir decken uns noch mit Proviant ein und pünktlich um 15 Uhr starten wir auf unsere nächste abenteuerliche Zugfahrt in Richtung Yangon, mit dem Ziel in Bago gegen morgen auszusteigen. Die Fahrt ist bei Tageslicht noch ganz amüsant und das ständige Auf und Ab, das Hüpfen und Rattern hat seinen unterhaltenden Wert. In der Nacht ist es allerdings nahezu unmöglich zu schlafen und man muss sich teilweise richtig festhalten, um nicht aus den recht großen Betten herausgeworfen zu werden. Der angekündigte Speisewagen bleibt allerdings unauffindbar und auf seiner Suche überquere ich mehrere offenen Zugverbindungen, steige über Kisten und Säcke voll mit Lebensmitteln und lande nach der letzten Tür direkt auf der Lokomotive! Der Zug ist insgesamt wirklich voll und alle Sitzplätze sind belegt. Erst jetzt wird einem klar, welchen Luxus unsere Schlafkabinen darstellen und wieviel einfacher und ungemütlicher unsere anderen Mitreisenden reisen.

   
    
    
 

Fast hätten wir dann den Ausstieg verpasst und nur durch einen Zufall erfahre ich kurz vor 4 Uhr, dass wir sofort aussteigen müssen. Ich wecke Anja und Maribel, rase in unser Abteil und wecke den Rest. Schnell alles zusammengeworfen, das Fenster geöffnet und auf den Bahnhof herausgegeben, dann schnell noch selbst raus! So stehen wir kurz vor 4 Uhr morgens auf einem runtergekommenen kleinen Bahnhof. Wir wimmeln die Taxifahrer ab, da unser ausgewähltes Guesthouse nur 200 Meter entfernt liegen soll und schieben mit unseren Koffern, Kindern und Rucksäcken los. Tatsächlich finden wir das Guesthouse auch gleich und haben das Glück, dass wir schon kurz nach vier eintreten und unsere Zimmer beziehen können. So legen wir uns alle noch mal schlafen und gehen wesentlich ausgeruhter den ersten Tag in Bago an, einer weiteren ehemaligen Haupt- und Königsstadt Myanmars.